Ach wie gut, wenn Niemand weiß …

nichts wissen , Haltung, Mindset, Selbsterkenntnis, Achtsamkeit

Heute, mit 36 Lebensjahren gibt es nicht mehr allzu viele Erlebnisse, die ich zum ersten Mal erlebe. Im Laufe meines Lebens habe ich viele Menschen kennengelernt und sowohl positive als auch negative Erfahrungen gemacht, die mich zu dem Menschen machen, der ich heute bin. Für jede dieser Erfahrungen bin ich zutiefst dankbar, gerade weil ich nun die Person sein darf, die ich heute bin.

So ergeht es im Prinzip jedem von uns, dass die Fülle unserer Erlebnisse und Erfahrungen, uns als Individuum ausmacht. Und zusätzlich haben wir eine gewisse Kenntnis entwickelt, die es uns in vielen Situationen erlaubt, Menschen einzuschätzen noch bevor wir sie tiefer kennenlernen oder Situationen vorauszusagen, noch bevor wir sie erleben. Ganz einfach, weil wir auf so viele Erfahrungen zurückblicken können.

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“Sokrates

Diese Fähigkeit, etwas bereits vorauszusehen, gibt uns in gewissem Maße ja auch Sicherheit. Wir haben vieles schon einmal durchlebt und können im Alltag aus unserem Erfahrungsschatz schöpfen können. Doch bei einem wirst Du mir sicherlich zustimmen…. Dadurch, dass wir auf eine gewisse Lebenserfahrung zurückblicken können und es nicht mehr viel gibt, dass wir zum Ersten Mal machen oder zum ersten Mal kennenlernen, werden die Momente voller absoluter Begeisterung und Faszination über die Jahre hinweg verschwindend gering.
Denke doch nur mal an Deine Jugendzeit zurück, wie aufregend war diese für Dich? Was hast Du alles Neues Erlebt und kennengelernt? Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie ich mein erstes Auto kaufte. Wie unbeschreiblich aufregend dieses Auto für mich war und dass ich minutenlang alleine in meinem Wagen saß, um mir jedes noch so kleine Detail anzuschauen. Ich berührte die Sitze und das Lenkrad, ich habe den Geruch meines neuen Wagens bewusst eingeatmet und so weiter. Wie fasziniert und begeistert ich war und wie toll sich das anfühlte, die ersten Meter mit diesem Wagen zu fahren. Es war neu, es war aufregend und einzigartig, noch dazu konnte mich mich voll und ganz darauf einlassen. Ich hatte das Gefühl mit meinen ganzen Sinnen zu erleben, wie es ist mit diesem Auto zu fahren.
Ähnlich ist es gewesen, als ich viele Jahre später meine erste Tochter im Arm hielt. Dieses unglaubliche Wunder, dieses neue Wesen hat mich total fasziniert und mich mit all meinen Sinnen in seinen Bann gezogen. Ich habe sie angeschaut, ich habe ihr zugehört ich war neugierig wie sie riecht und wie sie sich anfühlt. Ein unbeschreibliches und berührendes Erlebnis. Bis heute kann ich voll und ganz bei ihr sein, mich mit meiner Aufmerksamkeit ganz auf sie einlassen und achtsam mit ihr umgehen, genau das hat meine Tochter mir beigebracht.

Denn auch wenn ich bisher gelernt habe, einiges vorauszuschauen und vorhersagen zu können, bei ihr ist es anders. Ich kann sie nicht planen, nicht vorhersagen und weiß nicht wie sie im nächsten Moment reagiert. Denn ich trete ihr in einer ganz neuen Haltung gegenüber in einer Haltung die sagt: Ich weiß nichts! Denn auch wenn wir im Laufe unseres Lebens vielleicht gelernt haben, dass es sich nicht so toll anfühlt, wenn wir unsere Unwissenheit zugeben, so ist es für mich die größte Bereicherung. Denn ich trete auch meinem Alltag und meinen Mitmenschen mit Unwissenheit gegenüber. Eine „Ich weiß nichts!“ – Haltung macht offen und bedingungslos. Sie schafft Interesse, Begeisterung und Achtsamkeit.
Meine Tochter lebt jeden Tag in dieser Haltung und  trifft jeden Tag auf Dinge, die sie noch nicht kennt und Situationen, die sie noch nie erlebt hat. Sie kann sich für Neues Begeistern und geht unvoreingenommen auf Neues zu. Sie findet Begeisterung in den kleinen Dingen des Alltags und sieht Details, die ich als Erwachsene nicht mehr sehe. Sie geht die Straße entlang und freut sich über einen kleinen Käfer der den Bürgersteig hochkrabbelt, Sie freut sich über eine Krähe die im Baum vor der Kita sitzt.
Ich danke ihr dafür, dass sie mich wieder aufmerksam für die Details macht und mich so zu einer neuen Haltung inspiriert hat. Diese „Ich weiß nichts“ ‚Haltung macht mich wieder empfänglich dafür, meinem Alltag interessierter zu begegnen. Auch im Zwischenmenschlichen Bereich schafft es mir einen neuen Blick. Ich gehe nicht mehr davon aus, dass ich schon weiß was der Andere denkt oder sagen möchte, sondern ich begegne meinem Gegenüber ganz unvoreingenommen, auch wenn wir uns schon zigmal unterhalten haben, haben wir die aktuelle Unterhaltung doch noch nie geführt.
Ich bleibe neugierig und interessiert, weil ich nichts weiß. Nichts weiß ich mit 100%iger Sicherheit. Ich lasse mich ein auf die neue Erfahrung und bleibe aufmerksam und ganz im Hier und Jetzt.

Auch jeden Morgen, wenn ich ins Büro komme, freue ich mich auf alles Neue was ich erleben werde. Und heute denke ich mir: Ich hatte zwar schon viele Montage aus denen ich lernen durfte, doch noch keinen Montag den, 04.07.2016. Und ich freue mich darauf, denn es ist schön nichts zu wissen!

„Ich bleibe neugierig & interessiert, weil ich nichts weiß“-Ekram Bsiri
geschrieben von:

Ekram Bsiri (Office-Coach)

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Ekram Bsiri bietet psychologisches Coaching, Beratung & Training. In speziellen Weiterbildungsangeboten & Coachings zu psychologischen Themen widmet sie Ihre Arbeit der wissenschaftlich fundierten Psychologie, mit der Vision: Verlässliches & Kreatives zu verbinden. Was sie mag: Freiheit, Struktur, E-learning, neue Wege, Kreativität, Humor Was sie nicht mag: Struktur 🙂 , Lieblosigkeit, süßen Kaffee

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Ach wie gut, wenn Niemand weiß … was last modified: Juli 16th, 2016 by Ekram Bsiri (Office-Coach)

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