„Jeder liebt mich“ – mehr Selbstbewusstsein durch positive Affirmation?

positive Affirmation

Mehr Selbstbewusstsein zu haben hat viele Vorteile, wir stehen für unsere Meinungen und Wünsche ein, wir können uns Behaupten und fühlen uns im zwischenmenschlichen Bereich viel sicherer. So wünscht sich Jede/r doch ein wenig mehr Selbstbewusstsein. 

In unzähligen Ratgebern wird uns die positive „Affirmation“  vorgeschlagen. Doch ist es wirklich möglich, sich durch wiederholtes Vorsagen eines Satzes mehr Selbstbewusstsein aufzubauen oder gibt es eventuell sogar Nachteile? 

Die Kraft der Gedanken:

Affirmationen nennt man positive Gedanken, die Jemand möglichst oft an sich selbst adressiert. In vielen Ratgebern wird geraten Gedanken positiv zu formulieren und sie sich dann immer wieder vorzusagen, um ein gewünschtes Ziel bzw. einen gewünschten Zielzustand zu erreichen.

In vielen Bereich ist diese Vorgehensweise anerkannt, so greifen Coaches und viele Trainer zu dieser Methode.

Forscher haben dieses Phänomen nun untersucht und haben herausgefunden, dass Affirmationen durchaus das Selbstbewusstsein erhöhen können. Jeannis Wood und KollegInnen  (Wood et al., 2009) haben aufgezeigt, dass rund 56% der unersuchten Studierenden  positive Affirmationen für sich nutzen. Meist vor Präsentationen oder Prüfungen.

Weiterhin stellten sich die Forscher auch die Frage, ob diese positiven Affirmationen denn auch negative Effekte mich sich bringen könnten. So untersuchten Sie, dass es in Bezug auf eine der gängigsten Affirmation „Ich bin eine liebenswerte Person“ auch einen Nachteil gab. Menschen mit hohem Selbstbewusstsein fühlten sich nach der Affirmation wohler und selbstbewusster, bei Personen mit niedrigem Selbstbewusstsein war es jedoch nicht der Fall. Personen, die vor der Affirmation ein niedrig ausgeprägtes Selbstbewusstsein hatten, fühlten sich nach der Affirmation schlechter und berichteten weniger Selbstbewusstsein, als Personen die keine Affirmation genutzt hatten und auch ein niedriges Selbstbewusstsein beschrieben.

Die Forscher vermuten nun, dass diese Befunde auf die Art der Formulierung zurück zu führen sind. Es ist anzunehmen, dass Menschen mit niedrigem Selbstbewusstsein die o.g. Affirmation als inkompatibel zu ihrer inneren Einstellung empfanden und so mit Widerstand dieser Aussage gegenüber reagierten.

Es ist also wichtig, dass Affirmationen nicht aus Ratgebern oder von Kollegen oder Bekannten übernommen werden, sondern, dass positiv formulierte Gedanken, die wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen, realistisch mit unseren Einstellungen bleiben.  Beispielsweise ist eine Affirmation „Jeder liebt mich“ für einige Menschen zu global und passt nicht zu den eigenen Überzeugungen, hier könnte eine andere Formulierung helfen, z.B. „Viele Menschen lieben mich und schätzen mich.“

Selbsthilfebuch ja! ABER…

Wie wichtig es ist, aus Selbsthilfebüchern nicht alles mit einem JA abzusegnen und zu übernehmen, wird nun deutlich! Wenn wir uns mit positiven Affirmationen in eine Richtung verändern möchten, ist es wichtig, dass wir nicht vergessen, dass wir dann einen individuellen Weg gehen müssen.

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Über die Autori

Ekram Bsiri (Office-Coach)

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Ekram Bsiri bietet psychologisches Coaching, Beratung & Training. In speziellen Weiterbildungsangeboten & Coachings zu psychologischen Themen widmet sie Ihre Arbeit der wissenschaftlich fundierten Psychologie, mit der Vision: Verlässliches & Kreatives zu verbinden. Was sie mag: Freiheit, Struktur, E-learning, neue Wege, Kreativität, Humor Was sie nicht mag: Struktur 🙂 , Lieblosigkeit, süßen Kaffee


Quellen:

Leary, M. R. (2005). Sociometer theory and the pursuit of relational value: Getting to the root of self-esteem. European Review of Social Psychology, 16, 75-111.

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„Jeder liebt mich“ – mehr Selbstbewusstsein durch positive Affirmation? was last modified: Juli 16th, 2016 by Ekram Bsiri (Office-Coach)

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